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Start :. Tourdaten:. Aktuelle Tourdaten:. Jenseits der Grenze des Zumutbaren

Die Ärzte am 12.12.03 in Chemnitz

Bericht von freiepresse.de


Die Ärzte – deine Freunde und Helfer
Chemnitz-Arena überzeugt bei Besucherrekord als Veranstaltungsort – Warum über 12.000 die Pop-Punker sehen wollten

Chemnitz. Das wäre etwas fürs Werbeprospekt: Eine Punkbraut hängt vor einem Randfichten-Poster ab und Hausherr Michael Kynast steht zufrieden dabei. Freitagabend, die Chemnitz-Arena ist dicht und der Messechef hat endgültig den Beweis erbracht, dass Chemnitz auch für die Rocker ein gutes Pflaster ist.

Volksmusik-, Pop- und Schlagersänger waren schon hier, 2500 Besucher wollten Roger Whittaker sehen, 4500 die „Superstars“, 9000 Nena und ihre Freunde – soeben hat die Vorgruppe „Fettes Brot“ gespielt, jetzt warten mehr als 12.000 auf Die Ärzte. Das ist Besucherrekord, erstmals wird die volle Kapazität der lang gestreckten Halle genutzt, erstmals müssen alle stehen. „Das ist unsere Bewährungsprobe“, betont Kynast kurz vor 20 Uhr und wirkt dennoch entspannt. Zugegeben, mit offenem Hemd, Jackett und Slippern ist er nicht ganz so lässig wie das Gros des Publikums, Jeans- und T-Shirt-Typen zwischen 16 und 40 Jahren, die hier und da Stehhaare, Piercing und Nietengürtel tragen. Doch einem Sting-Fan kann man das verzeihen. Aber kennt er wenigstens die Ärzte-Hits? „Hm, ,Westerland‘“, grinst der 43-Jährige etwas verlegen. Eher die alten Sachen.“

Macht nichts, die Kartenkäufer kennen die Lieder Wort für Wort. „Du bist nicht allein, wir sind Millionen und wir werden noch mehr sein“, stimmen sie schon beim ersten Titel lautstark ein. Dazu wiegt ein Arme-Meer von der Bühne nach hinten. Je einen Fingernagel groß sieht man sie von dort, Bela B., Ron Gonzalez und Farin Urlaub, die nichts brauchen als Scheinwerferlicht, Schlagzeug und (Bass-)Gitarre. Die Bühnenshow ist so schnörkellos wie die Textzeilen: „Mach dich mal locker und lass dich nicht hängen“, „Ich ruf dich an und du gehst nicht ran“, „Für mich zählt nur das eine, die Frisur, die Frisur“. Dazu rocken die Gitarren, wechseln Punkklänge mit Balladen, Mitgröhlzeilen mit Beatles-Melodien, werden Latin-Klänge in den Spaßrock geschmuggelt. Richtig, ein Ärzte-Song darf durch die Musikstile reiten, wie er will, und die Refrains wechseln mir nichts, dir nichts zwischen Gesellschaftskritik, Exkrementen, Liebesschwüren und was-sonst-noch-gerade-so passt. Und aus der Hallenmitte, wo es bereits einige Grad wärmer ist als hinten, fiept es begeistert zur Bühne zurück: „die Frisu-u-uuuur“.

Ärzte-Fans wachsen nach

„Jenseits der Grenze des Zumutbaren“ heißt die fast überall ausverkaufte Deutschland-Tournee, für die Ärzte-Fans ist das ein Versprechen. Sie sind amüsierfreudig, ein wenig albern, selbstironisch, treu – und wachsen nach. Auch die 16-Jährigen, genervt von all den „Superstars“, entdecken den handgemachten Ärzte-Sound für sich, bejubeln den Klamauk in den Titeln und die scharfzüngigen Ansagen, die als aberwitzige Beipackzettel zur Rock-Überdosis geliefert werden. Mit Lust stürzen sich die Sachsen, Thüringer, Berliner in die Massen, zur Hintertür geht es in die Halle rein, vorne werden sie hinausgetragen.

Gerade werden Franzi, Marge und David über die Bande gezogen, nur Julia stößt später von der Leipziger Vierergruppe auf konventionelle Weise dazu und nimmt die Tür. „Das war geil“, ruft sie glücklich, „das ist einfach die beste Band der Welt.“ Vor den Hallentüren ist es bereits voll wie auf einer italienischen Piazza, und die Gründe, warum das die beste Band der Welt sein soll, sind schnell ausgemacht: Glaubwürdig, bodenständig und charmant seien Die Ärzte, nähmen sich nicht so ernst, verkauften die Tickets zum halben Preis eines „Superstar“-Billets und kümmerten sich um ihre Fans, kurz: „Es gibt nur einen Gott – Belafarinrod“.

Drinnen umschmeichelt das so umschmeichelte Trio mit Zugaben, 60 Minuten lang. „Wenn alle Männer Mädchen wären“, „Ich hab noch nicht onaniert, weil hier viel zu viel passiert“, „Las Vegas du bist toll, aber du bist ein schlechter Witz gegen Chemnitz“. Das hört auch der Hausherr gern. Kurz hat Michael Kynast Töchterchen Charlotte am Hallenende auf die Schultern genommen; zufrieden und erschöpft beobachtet er danach, wie erschöpfte und zufriedene Fans zu Autos und Bussen ziehen.

Von einem Stau auf der Autobahn vor Konzertanfang abgesehen, ist bis kurz vor Mitternacht die Feuertaufe für die Maximalauslastung der Arena geglückt. Auch der Arena-Umsatz hat mit bisher knapp über einer Million Euro in diesem Jahr die selbst gesetzte 475.000-Euro-Vorgabe übertroffen. „Wir haben eben ein gutes Jahr erwischt“, wiegelt Kynast ab. Aber ich bin ohnehin kein so enthusiastischer Mensch.“ Sollte einmal Sting kommen, könnte sich das ändern.



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Bela: Kommen wir zu wichtigeren Dingen! Kommen wir zu mir ... mein Gott, Farin, bist du hässlich!